Das Auge

Das  Auge ist eine komplexe Struktur und spielt für das Pferd als Lauf- und Fluchttier eine zentrale Rolle!

Augenschmerz ist wesentlich schwieriger einzuschätzen als z. B. Schmerz bei Lahmheit oder Kolik. Bei den letzteren Erkrankungen sind für den Besitzer in der Regel gut erkennbare, äußere Symptome vorhanden, die den Besitzer zu einem Tierarztbesuch veranlassen.

Einige Augenerkrankungen können aber über einen längeren Zeitraum entweder unbemerkt ablaufen oder die Symptome wie z. B. ein leicht tränendes Auge führt der Besitzer auf z. B. Wind- oder Fliegeneinwirkung zurück. So kommt es häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium zu einer Untersuchung des Auges. Verhaltensänderungen wie Depression, Leistungsabfall, „schlechte Laune“ werden wegen des schleichenden Fortganges der Erkrankung von dem Besitzer gar nicht so wahrgenommen. Erst nach einer erfolgreichen  Behandlung und einer positiven Veränderung des Verhaltens in Form von Aufmerksamkeit, Leistungsbereitschaft wieder mehr „dabei sein“ merkt der Besitzer, wie deutlich das Pferd doch beeinträchtigt war.

Natürlich verlaufen nicht alle Augenerkrankungen in der geschilderten Form. Viele Veränderungen, insbesondere der Hornhaut mit beispielsweise Tränenfluss, Lichtscheue, Lidkrämpfen sind gut erkennbar und bedürfen einer sofortigen Behandlung. Verletzungen sind in der Regel ebenfalls gut erkennbar.

Generell gilt, auch bei geringgradigen Augensymptomen, eine gründliche Untersuchung durchführen zu lassen. Denn: Je früher erkannt, desto besser die Heilungschancen.
Von einer zunächst in Eigenregie durchgeführten Behandlung sollte man Abstand nehmen. Gerade das Einbringen von einer kortisonhaltigen Salbe ist häufig nicht geeignet und kann die Situation des Auges deutlich verschlimmern.

Häufig vorkommende Augenerkrankungen sind:

  • Verletzungen der Augenlider
  • Verletzungen und Erkrankungen der Hornhaut
  • Periodische Augenentzündung (heute mehr als ERU bezeichnet = Equine recurrent Uveitis)
  • Linsentrübungen
  • Glaukom = krankhafte Druckerhöhung im Augapfel (grüner Star)
  • Außerdem kommen Augenerkrankungen im Zuge von systemischen Erkrankungen vor. Dazu gehören z.B. Influenza, Herpes, Tetanus, Botulismus, Druse, Rhodococcus equi.

Verschiedene Nervenschädigungen können ebenfalls zu Augenveränderungen führen, wenn es z. B. durch eine Nervenschädigung zu einer mechanischen Beeinträchtigung kommt. Wird z. B. der Facialisnerv geschädigt und kommt es im Zuge der Erkrankung zu einer Fehlfunktion der Augenlider, kann es durch die unzureichende Befeuchtung des Auges zu Hornhautschädigungen kommen.

Es gibt eine also eine Vielzahl direkter und indirekter Ursachen für Augenerkrankungen. Das rechtzeitige Erkennen eines Problems, eine gründliche Untersuchung und Diagnosestellung und damit eine möglichst frühzeitig eingeleitete, gezielte Behandlung sind von entscheidender Bedeutung.