COB (chronisch obstruktive Bronchitis)

COB (chronisch obstruktive Bronchitis)

Es ist schon lange bekannt, dass aufgestallte Pferde ein erhöhtes Risiko haben, eine chronische, wiederkehrende und schwächende Erkrankung der unteren Atemwege zu entwickeln. Um dieses Syndrom zu beschreiben gibt es in der Literatur zahlreiche Begriffe, z.B. heaves (Dampf), brocken-wind, COPD (chronic obstructive pulmonary disease = chronisch obstruktive Lungenerkrankung), RAO (chronic airway obstruction), allergic airway disease (allergenverursachte Erkrankung der Atemwege), chronic bronchiolitis (chronische Bronchiolitis), oder COB (chronisch-obstruktive Bronchitis) und eine Vielzahl mehr. Da dies immer wieder zu Verwirrungen geführt hat, wurde im englischsprachigen Raum von einer Anzahl von praktischen Tierärzten und Wissenschaftlern der Begriff heaves oder  RAO empfohlen, um bei erwachsenen Pferden ein reversibles Krankheitsbild zu beschreiben, welches mit einer chronischen Obstruktion der Atemwege einhergeht. Dabei können Perioden festgestellt werden, in denen das Pferd eine angestrengte Atmung zeigt. Der Zustand ist durch Verbesserung der Staubbelastung der Umgebung und durch Einsatz von Bronchodilatatoren (also Bronchieneerweiterern) reversibel. Da nur ein Teil der Pferde dieses Syndrom entwickelt, war diese Erkenntnis der Grundstein für die Annahme einer allergenausgelösten Erkrankung. Die COB ist ein multifaktorielles Geschehen. Als Hauptauslöser der COB werden allergische Reaktionen auf unspezifische Umweltallergene wie z.B. Bakterienendotoxine, Schimmelpilzsporen, Futtermilbenbestandteile, Pollen, Stroh- und Heustaub angenommen. Aber auch chemisch-physikalische Reize wie z.B. Staub, Rauch, Schadgase können zu allergisch entzündlichen Veränderungen führen. Auch infektiöse, vor allen Dingen virale Erkrankungen können zu einer Gewebeschädigung mit veränderter Immunantwort und damit allergischer Reaktion führen. Einheitlich ist die Hyperreagibilität der Atemwege. Genetische Faktoren können bei der Entstehung einer chronischen Bronchitis eine Rolle spielen. Bewegungsmangel führt zu einer verminderten lungeneigenen Reinigungsfunktion und kann damit zur Entstehung einer Bronchialobstruktion beitragen.
Im deutschen Sprachraum wird analog zum Begriff RAO der Begriff COB (chronisch-obstruktive Bronchitis) genutzt. Der korrektere Begriff wäre eigentlich eine chronisch obstruktive Bronchiolitis (also Erkrankung der kleinen Bronchien). Da aber davon ausgegangen wird, dass die Bronchien fast in allen Fällen zum Zeitpunkt der Diagnosestellung ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen sind, kann der an sich korrektere Begriff chronisch-obstruktive Bronchiolitis auf chronisch obstruktive Bronchitis verkürzt werden. Die Equine COB ist durch Leistungsminderung, Husten und/oder vermehrte Sekretproduktion in den tiefen Atemwegen für mehr als 6 Wochen gekennzeichnet. Atembeschwerden sind dabei unterschiedlichen Grades vorhanden.
Eine ähnliche Erkrankung nennt sich summer-pasture associated obstructive pulmonary disease (SPAOPD). Diese tritt auf, wenn die Pferde auf der Weide stehen und ist reversibel durch Einstellung der Pferde in einen staubfreien Stall. Beide Erkrankungen (COB und SPAOPD) können kombiniert bei einem Pferd auftreten.
Inflammatory airway disease (IAD) ist ebenfalls eine entzündliche Erkrankung der unteren Atemwege. Bei den betroffenen Pferden treten Perioden angestrengter Atmung aber nicht auf.

COB wird bei erwachsenen Pferden ab einem Alter von ca. 5-7 Jahren festgestellt. In der Regel sind diese Pferde im Winter in einem Stall untergebracht. In Gegenden, in denen Pferde das ganze Jahr über draußen sind in einem warmen, trockenen Klima kommt COB selten vor. Eine genetische Prädisposition wird angenommen. In unseren Breiten können mehr als 50% aller Pferde über 12-14 Jahre betroffen sein.
COB wird in vielen Fällen durch die Exposition zu Heu und Stroh ausgelöst. Die Pferde zeigen Leistungsabfall, Husten und/oder vermehrte Sekretproduktion in den tiefen Atemwegen. In den Phasen, in denen die Pferde keiner reizenden Umgebung ausgesetzt sind und sich die Veränderungen im Abklingen befinden, erscheinen die Pferde klinisch gesund und zeigen keine angestrengte Atmung. Werden diese Pferde einer für sie ungünstigen Umgebung ausgesetzt (Zugang zu trockenem Heu/Stroh, Stallperioden), entwickeln sie die typischen Anzeichen der COB. Es kommt zu einem Anschwellen der Schleimhäute der unteren Atemwege, zu einer vermehrten Bildung eines unphysiologisch zusammengesetzten Sekretes und zu einem Bronchialspasmus, d.h. die Bronchialmuskulatur reagiert mit einer übermäßig starken und/oder anhaltenden Kontraktion. Die Atemwege werden also durch 3 Mechanismen verengt: durch Anschwellen der Schleimhaut, durch zähes Sekret, welches die Atemwege verlegt und durch die Einschnürung durch Kontraktion der Bronchialmuskulatur. Je nach Krankheitsausprägung zeigen die betroffenen Pferde unterschiedlich stark ausgeprägte Symptome. Ein Abhusten bei Beginn der Arbeit ist ein häufig bemerktes und oft erstes Symptom, die Pferde haben zum Teil einen weißlich schleimigen Nasenausfluss, seltener einen eitrigen Nasenausfluss durch eine sekundäre Besiedelung mit Bakterien. In schwereren Fällen ist die Atemruhefrequenz erhöht und man sieht den Pferden an, dass die Atmung angestrengt und erschwert ist. Ein- und Ausatmung erfolgen gegen den Widerstand der verengten Bronchien. Beim Abhören der Lunge ist in geringgradigen Fällen nur ein geringgradig verschärftes Einatmungsgeräusch zu hören, bei höhergradigen Fällen können Rasselgeräusche und oder Hiemen/Giemen festgestellt werden.  Durch Verbesserung der Umgebung und je nach Schwere des Falles auch durch entsprechende Medikation sind diese Veränderungen reversibel und der Bronchialbaum kann sich wieder erholen. Werden diese Pferde aber immer wieder einer reizenden Umgebung ausgesetzt, wird der Erholungseffekt selbst bei verbesserter Umgebung  immer schlechter. Es kommt zu chronischen Veränderungen wie einer dauerhaften geschädigten Bronchialschleimhaut und zu einer Hypertrophie (Zunahme) der Bronchialmuskulatur. So hat man bei Pferden, die klinisch unauffällig wirkten in einer Lungenbiopsie deutliche morphologische Veränderungen nachweisen können. Diese Veränderungen persistieren also, selbst wenn bei den Pferden keine klinischen Anzeichen der Erkrankung mehr feststellbar sind. Auch in Phasen abklingender Symptome sind die Pferde oft leistungsschwach und zeigen ein gelegentliches Husten bei der Futteraufnahme oder zu Beginn der Belastung.
Die Diagnose einer COB erfolgt im Ausschlussverfahren. Auszuschließen sind insbesondere akute oder chronisch-persistierende Infektionen. Als Basis dient eine gründliche klinische Untersuchung des Pferdes im Stand der Ruhe, mit Atemstimulation und unter Belastung. Um eine Atemstimulation zu bewirken wird ein so genannter rebreathing bag benutzt. Ein Plastikbeutel wird den Pferden über die Nüstern gezogen bis zum Eintreten deutlich verstärkter und vertiefter Atmung. Nur geringgradig ausgeprägte Lungengeräusche können so verstärkt werden. Allergie-Tests beim Pferd sind nicht validiert, vor allem nicht für Atemwegserkrankungen.
Häufig haben an COB-erkrankte Pferde verstärkt in den Übergangszeiten Frühjahr und Herbst deutliche Symptome.
Ergänzende Untersuchungen sind die Tracheobronchoskopie und die arterielle Blutgasanalyse. Bei der Tracheobronchoskopie können die sichtbaren Veränderungen in den Atemwegen beurteilt werden. Während der Tracheobronchoskopie werden außerdem eine Zellprobe (cytologische Probe) und eine Probe zur bakteriologischen Untersuchung entnommen. Der Zellprobe (bronchoalveoläre Lavage = BAL) kommt hier eine besondere Bedeutung zu. Bei gesunden Pferden dominieren die Makrophagen und Lymphozyten das Zellbild. Ein erhöhter Anteil an neutrophilen Granulozyten ist charakteristisch für eine COB. An COB-erkrankte Pferde leiden häufiger auch unter einer nicht fiebrigen sekundären bakteriellen Infektion. Die Erreger sind häufig sehr resistent gegenüber einer antibiotischen Behandlung. Aus diesem Grund lässt man ein Antibiogramm anfertigen, welches die Antibiotika aufzeigt, die bei dem nachgewiesenen Erreger noch zum Einsatz kommen können.
Therapeutisch kommen Medikamente zum Einsatz in Verbindung mit einer Optimierung der Haltungs- und Fütterungsbedingungen. Die Staubexposition muss für COB-Pferde so gering wie möglich gehalten werden. Regelmäßige Bewegung ist notwendig, um ein Festsetzen des unphysiologischen Bronchialsekretes in den kleinen Bronchien zu vermeiden. Ergänzende therapeutische Maßnahmen wie die Inhalation und eine Desensibilisierung kommen zur Anwendung.
Die Prognose hängt ganz davon ab, wie ausgeprägt die Krankheitserscheinungen sind und wie gut das Management dieser Pferde ist. Bei hochgradig erkrankten Tieren mit einem begleitenden Lungenemphysem (Überdehnung der Lungenbläschen) ist die Prognose ungünstig. Bei weniger stark ausgeprägten Krankheitserscheinungen und einer guten Haltung kann der Zustand erhalten werden. Die COB verläuft also nicht unbedingt bei allen Fällen fortschreitend. Grundsätzlich ist aber davon auszugehen, dass selbst bei klinischer Besserung weiterhin morphologische Veränderungen in den Atemwegen vorliegen und somit keine Heilung stattgefunden hat. Auch die Hypersensitivität der Pferde auf bestimmte Agentien wird nicht abgestellt, sondern bleibt erhalten.