Mauke - allgemeine Ausführungen

Mauke gehört zu den Hautkrankheiten der unteren (distalen) Gliedmaße. Die im Deutschen als Mauke bezeichneten Dermatosen (Hauterkrankungen) der distalen Gliedmaße sind in der englischen Umgangssprache unter vielerlei Namen bekannt: Equine pastern dermatitis (EPD = Hautentzündung der distalen Gliedmaße beim Pferd, Dermatitis = Hautentzündung), scratches, cracked heels, grease heel, dew poisoning, mud rash und mud fever. Der Begriff „Mauke“ deckt aber nur einen Teil der Dermatosen der distalen Gliedmaße beim Pferd ab. Bei der Mauke handelt es sich um eine akute, sehr schnell ins chronische Stadium übergehende ekzematöse Dermatitis. Bei länger bestehendem Krankheitsverlauf kommt es zur Sklerosierung (Verhärtung von Gewebe durch Zubildung von Bindegewebe) im Bereich der Unterhaut.
Diese oben genannten Namen definieren keine spezifischen Krankheiten, sondern kennzeichnen vielmehr ein allgemeines Reaktionsmuster der Pferdehaut, das viele mögliche Ursachen hat, es ist also ein multifaktorielles Geschehen. Die Zeitdauer der Erkrankung und Reaktion auf therapeutische Maßnahmen können sehr unterschiedlich ausfallen.

Auslösende Agentien bei EPD sind Bakterien wie Staphyloccocus aureus, Dermatophilus congolensis und Chorioptes Milben, aber auch Hautpilze können beteiligt sein. Eine über das Immunsystem ausgelöste Hautentzündung ist ebenfalls möglich.

Die Mauke betrifft typischerweise den hinteren (kaudalen) Abschnitt der Fessel, kann sich aber nach vorne (cranial) und oben (proximal) an der Gliedmaße ausbreiten. Weiß behaarte Gliedmaßenbereiche scheinen empfänglicher zu sein. Die Hinterbeine sind häufiger betroffen. Die Veränderungen finden sich oft bilateral und symmetrisch, können aber auch nur an einer Gliedmaße vorkommen. Es gibt keine Alters- oder Geschlechtsprädisposition, aber die Erkrankung kommt häufiger bei erwachsenen Pferden vor. Pferde mit einem langem Behang (lange Haare) tragen ein erhöhtes Risiko an Mauke zu erkranken. In den langen Haaren können sich Schmutz und Feuchtigkeit sammeln, die Haut dauerhaft traumatisieren (verletzen) und eine Eintrittspforte für Erreger schaffen. Betroffen sind deshalb insbesondere Kaltblüter, Friesen und andere Rassen mit langen Behängen wie z.B. die Tinker.

Der Hautentzündung geht normalerweise eine Verletzung der oberflächlichen Hautschichten voraus. Dauerhaft feuchte Bedingungen, unhygienische Haltungsbedingungen, Abschürfungen auf der Weide oder auch durch Pflanzen (Dornengebüsch etc.), Reizstoffe im Boden von Reithallen oder Reitwegen oder aus der Einstreu können Ursache für eine mechanische Schädigung der Haut sein. Auch Ektoparasiten (außen auf der Haut befindliche Parasiten) wie die Chorioptesmilbe können die oberflächliche Schicht der Haut schädigen und damit den Weg frei machen für Bakterien, Hautpilze etc. um sich dort festzusetzen.

Zu Beginn kommt es zu einer Hautrötung in der Fesselbeuge und einem entzündlichen Ödem (Hautverdickung). Die Haut beginnt zu schuppen, es kommt zu Haarausfall und zur Exsudation (Austritt von Flüssigkeit aus den Gefäßen im Verlaufe einer Entzündung) und Krustenbildung. Dieses Stadium kann unterschiedlich schmerzhaft sein und ist mit ständigem Juckreiz verbunden. Wegen des ständigen Juckreizes stampfen die Pferde häufig mit den Füssen. Dies ist meist ein Hinweis dafür, dass Chorioptesmilben ursächlich beteiligt sind. Einige Pferde gehen lahm. Eine Besiedelung mit Bakterien ist dann häufig eine Komplikation, die Entzündung verschlimmert sich. Oft ist ein faulig riechender Gestank zu verzeichnen.
In chronischen Fällen sind Hautverdickungen, Furchenbildung (Fissuren), überschießendes Granulationsgewebe und schwere Gliedmaßenödeme zu sehen. Die Hypergranulation (überschießendes Gewebe) kann soweit gehen, dass es zu einer Entartung kommt und sich traubenartige Gewebsbereiche von massiver Wucherung (verruköse Dermatitis, „grapes“, siehe Abb.) bilden. Gliedmaßenödeme, Wundsekretabfluss und Lahmheit sind häufig die Folgen.


     

     
Abb. 1   Abb. 2   Abb. 3

Die Abbildungen 1 bis 3 zeigen eine chronische Mauke mit Hautverdickungen, Furchenbildung und traubenartiger Gewebswucherung.

 

Behandlung der Mauke

Für einen Therapieerfolg ist es wichtig spezifisch und so früh wie möglich in das Krankheitsgeschehen einzugreifen. Das Verbessern der Lebensumstände ist essentiell. Ein sauberer Stall mit trockener Einstreu und hygienisch einwandfreien Verhältnissen ist elementar in der Behandlung. Je nach Schmerzhaftigkeit sollte das Pferd Boxenruhe haben oder auf einem trockenen und staubarmen Boden etwas Bewegung haben. Kontakt mit irritierenden Chemikalien, Staub, Pflanzenteilen etc. muss eingestellt werden. Die Haare, ggf. der Behang müssen gekürzt werden. Danach erfolgt eine Waschung mit desinfizierenden Shampoos und ggf. mit Antiparasitika bei Chorioptesnachweis. Exsudat und Krusten werden aufgeweicht und entfernt. Nach der Waschung werden die Gliedmaßen klar abgespült und gut getrocknet. Je nach Zustand der Gliedmaßen werden dann lokale Lotionen oder Salben appliziert die eine desinfizierende, ggf. austrocknende und epithelfördernde Wirkung haben. Trockene, dicke Krusten können mit einer Fettsalbe eingerieben werden, um sie leichter ablösen zu können. Bei der Entfernung der Krusten muss darauf geachtet werden, dass es nicht zu neuen Blutungen kommt und damit wieder neue Eintrittspforten für Erreger geschaffen werden. In vielen Fällen muss die Gliedmaße für die Zeit der Behandlung unter Verband gehalten werden. Bei trockener Hautoberfläche sind Verbände meistens nicht notwendig. In manchen Fällen ist das Scheren und Säubern der Gliedmaßen so schmerzhaft, dass eine Ruhigstellung oder sogar eine Vollnarkose notwendig wird.
In schwereren Fällen ist der Einsatz von systemischen Antibiotika und Kortison indiziert. Bei chronischen Fällen mit einer deutlichen Gewebszubildung, Hautverdickung und massivem Granulationsgewebe kann ein chirurgischer Eingriff mit Entfernung des entsprechenden Gewebes notwendig werden. Hier kommt auch die Kryochirurgie zum Einsatz, bei der mit flüssigem Stickstoff die veränderten Hautbereiche vereist werden, absterben und dadurch entfernt werden können. Diese eignet sich aber nur bei kleineren, umschriebenen erkrankten Bereichen.
Selbst bei sehr gewissenhafter Behandlung kann es sein, dass die Behandlung nicht anschlägt. Auch in den Fällen, in denen es zunächst zu einem Behandlungserfolg kommt, treten oft Rückfälle (Rezidive) auf. Viele Fälle benötigen Jahre bis zur vollständigen Erholung und bei einigen bleibt eine chronisch verdickte Haut zurück mit der Tendenz Rückfälle zu erleiden. Es ist also darauf zu achten frühzeitig eine Therapie zu beginnen um die Heilungschancen zu steigern und die Intensität und Kosten der Behandlung zu minimieren.
Die Prognose (Voraussichtlicher Verlauf einer Erkrankung) hängt von den zugrundeliegenden Ursachen ab, ob diese klar identifiziert werden konnten und von der Dauer der Erkrankung.


      
Abb. 1    Akute Mauke   Abb. 2    Akute Mauke - 2 Tage nach Behandlung
     
   
Abb. 3    Chronische Mauke    

 

Fallbeispiel - chronische Mauke bei einem Tinker

In der unteren Bildserie ist klar erkenntlich, dass auch eine ausgeprägte Mauke unter dem Behang auf den ersten Blick nicht wahrzunehmen ist (Abb. 1 und 2).

Erst beim Scheiteln der Haare sieht man schon schmieriges, eitriges, meist auch übel riechendes Sekret und diverse Krusten (Abb. 3 bis 6).

Nach dem ersten groben Scheren sind die Maukeveränderungen schon sehr deutlich in Form der chronisch verdickten Haut mit Hautfaltenbildung, Furchenbildung und wunden Hautbezirken zu erkennen. In vielen Fällen muss jetzt erst eine gründliche Waschung der Gliedmaßen erfolgen, weil ein kürzeres Abscheren der mit Wundsekret und Eiter verklebten Haare nicht möglich ist (Abb. 7 und 8).

Nach dem 2. Scheren sind dann auch die deutlichen traubenartigen Gewebswucherungen klar zu erkennen (Abb. 9 und 10).
Behangpferde sollten also am besten täglich auf Hautveränderungen im Gliedmaßenbereich überprüft werden. Dazu sollten die Gliedmaßen ab dem Vorderfußwurzelgelenk bis zu den Hufen systematisch abgetastet werden. Achten Sie auf Sekretbildung, Krustenbildung, Hautverdickungen und Schmerzreaktionen.


           
Abb. 1   Abb. 2   Abb. 3


     
Abb. 4
  Abb. 5
   
Abb. 6    

        
Abb. 7   Abb. 8   Abb. 9   Abb. 10