Druse

Allgemeine Ausführungen zur Druse beim Pferd

Druse ist eine Erkrankung im Bereich des oberen Atmungsapparates des Pferdes, welche durch Bakterien (Streptokokken) ausgelöst wird. Streptokokken sind die wichtigsten beim Pferd vorkommenden Bakterien des Atmungsapparates.

Es gibt vier bedeutende durch Bakterien ausgelöste Atemwegssyndrome beim Pferd, dazu gehören Druse, Bronchopneumonie (Lungenentzündung) des Fohlens, IAD (= inflammatory airway disease, entzündliche Atemwegserkrankung) und Lungenentzündung und/oder Brustfellentzündung des erwachsenen Pferdes. Streptokokken sind hier die bedeutendsten ursächlichen Vertreter entweder als Einzelinfektion oder auch gemischte Infektion. Die Druse wird durch einen speziellen Erreger dieser Gruppe ausgelöst, nämlich Streptococcus equi subspecies equi.

Druse ist weniger als Einzeltiererkrankung, denn als Bestandsinfektion problematisch, da sie in größeren Pferdebeständen oftmals endemisch (gehäuftes Auftreten in einer bestimmten Population/einem bestimmten Gebiet) auftritt. 30 - 100 % der Pferde eines Bestandes können erkranken. Die Druseinfektion kann bei Pferden jeden Alters auftreten. Schwerwiegendere Erkrankungen treten aber mehr bei jungen Tieren auf oder bei Pferden, die noch keinen Kontakt zum Druseerreger hatten. Die Sterberate liegt im Durchschnitt bei 2 - 3 %.

Der Erreger ist ein in der Umwelt nicht natürlich vorhandenes Bakterium, welches aber zwischen 4 Tagen (Erde),  mind. 4 Wochen bis zu 8 Wochen (Wasser) und bis zu 8 Wochen (z.B. Sattel, Zaumzeug, Holz)  in der vom Ausscheider kontaminierten Umgebung überleben kann. Dies ist abhängig von der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit, Regenfall und ultraviolettem Licht. Die Ansteckungsfähigkeit sinkt exponentiell mit der Zeit und eine Übertragung aus der Umwelt ist durch frisch abgesetztes Sekret (weniger als 1 Woche alt) am wahrscheinlichsten. Trotzdem muss im Falle einer Druseerkrankung gerade auf die Stall- und Futterumgebung ein besonderes Augenmerk gerichtet werden.

Die Krankheit kann sich sehr schnell verbreiten. Zum einen durch direkten Kontakt von Pferd zu Pferd, aber auch durch indirekten Kontakt. Die Infektion erfolgt meist durch Inhalation (aerogene Tröpfcheninfektion s.u.), eine Schmierinfektion (indirekte Übertragung, s.u.) mit infektiösem Nasenausfluss und somit orale und nasale Aufnahme beim Fressen, sowie den direkten nasalen Kontakt mit einem infizierten Tier.  Die Infektion kann auch über unbelebte Vektoren erfolgen wie z.B. Sattel und Zaumzeug, Teilen von Tränken und Futtertrögen, Kleidung oder andere Lebewesen (z.B. Mensch, Katze, Fliege). Eine wichtige Rolle spielt sicher die Übertragung durch eine schlechte Hygiene durch Pflegepersonal und Besitzer. Pferde, die zusammen stehen, müssen nicht zwingend alle an Druse erkranken, genauso wie nicht alle Familienmitglieder zwingend eine Erkältung bekommen. Eine klinisch manifeste Erkrankung muss auch bei direktem Kontakt mit einem erkrankten Tier nicht zwangsläufig auftreten.

Die Eintrittspforte für den Erreger sind die Schleimhäute des Mauls und der Nüstern. Nach dem Eintritt in den Körper gelangen die Erreger zunächst in die regionären (also Kopf) Lymphknoten. Dort sind sie bereits drei Stunden nach der Infektion nachzuweisen. Dort kommt es zu einem massiven Einstrom von Entzündungszellen, welche jedoch nicht immer die Erregerelimination im erforderlichen Umfang bewirkt. Als Konsequenz kommt es zu einem Anstieg der Körpertemperatur.

Tröpfcheninfektion:
Die Tröpfcheninfektion ist Bestandteil des direkten Übertragungsweges. Erregerhaltige Tröpfchen gelangen beim Schnauben oder Husten des infizierten  Pferdes durch Inhalation auf die Schleimhäute des oberen Atemtrakts eines anderen Pferdes und vermehren sich dort. Die Flüssigkeitströpfchen sind größer als 100 µm. Dies entspricht ungefähr dem Durchmesser eines menschlichen Haares. Tröpfchen können nur kurze Strecken bis zu 1 m zurücklegen. Deshalb spricht man bei der Druse von einer aerogenen Tröpfcheninfektion. Legt ein Tröpfchenkern, der nur 5 µm des ursprünglichen Tröpfchens misst, weite Strecken über die Luft zurück, spricht man von  einer aerogenen Übertragung, die bei der Druse nicht stattfindet.

Schmierinfektion:
Eine Schmierinfektion ist eine indirekte Übertragung von Krankheitserregern. Sie erfolgt durch Berührung eines Gegenstandes (Sattel, Zaumzeug, Kleidung, Futter- und Wassertröge etc.), der mit infektiösen Körpersekreten, hier Nasenausfluss oder Eiter aus den Lymphknoten, kontaminiert ist.

Bis zu 10% der Pferde können sogenannte „Carrier“ = Träger der Infektion werden und stellen damit eine Quelle für zukünftige Infektionen dar. Bei diesen Pferden zieht sich das Bakterium in die Luftsäcke zurück und wird von dort aus gelegentlich in kleinen Mengen ausgeschieden. Diese Pferde nehmen also eine Reservoirfunktion ein und die Druse kann sich über diese Träger lange im Bestand halten, bis zu mehreren Jahren, in der Literatur werden hier bis zu 36 Monate und länger genannt. Diese Träger können Erreger ausscheiden ohne selbst irgendwelche offensichtlichen Symptome zu zeigen. Neuankömmlinge mit einer schlechten Immunlage (schlechte Abwehrlage) können sich dann infizieren. Der Trägerstatus ist dabei oft mit chronischen Entzündungen der oberen Atemwege, insbesondere der Luftsäcke, kombiniert. Dabei können die Träger keine oder nur geringe klinische Symptome zeigen, wodurch sie leicht übersehen werden. Ungefähr bei der Hälfte der Ausbrüche bleibt mindestens ein Tier dauerhafter Keim-Träger. George (1983) und Newton (1997) gehen davon aus, dass Carrier das Hauptreservoir  für S.equi Infektionen darstellen und nahezu sicher für Ausbrüche in Stallungen verantwortlich sind nach Ankunft von Neuzugängen oder auch für das Wiederauftreten der Erkrankung in Stallungen Monate oder Jahre nach einem vorangegangenen Ausbruch. In einigen Fällen kann es auch zu einer Besiedelung der Nasennebenhöhlen kommen. Diese Pferde stellen dann auch einen Carrier dar.
Die Luftsäcke des Pferdes liegen zwischen der Schädelbasis und dem 1. Halswirbel (s. Abb. 1). Die Ohrtrompete stellt eine Verbindung dar zwischen Mittelohr und Rachen. Beim Pferd ist die beidseitig ausgebildete Ohrtrompete zu den beiden Luftsäcken ausgebuchtet. Bei der Druse kann es zu einem erheblichen Anschwellen der dem Luftsack benachbarten Lymphknoten (Retropharyngeale Lymphknoten) kommen mit Vereiterung derselben. Diese können nach außen aufbrechen oder sich in den Luftsack eröffnen. Damit kommt es zu einer Luftsackvereiterung (Luftsackempyem). Der Eiter im Luftsack kann entweder als Flüssigkeit oder als eine eingedickte, käsige Masse vorliegen. Durch die Kaubewegung können im Luftsack kugelige Konkremente, die sogenannten Luftsacksteine oder auch Chondroide entstehen. Sie bestehen aus abgeschilferten Epithelzellen (Schleimhautzellen), Blut und abgestorbenem Gewebe. Die Erreger können auch über den Rachenraum und über die Luftsackklappen in den Luftsack gelangen. Zur Aufklärung ist eine endoskopische Untersuchung beider Luftsäcke notwendig.

Abb 1.: Lage der Luftsäcke aus Bodo Hertsch, Anatomie des Pferdes, FN Verlag, 5.Auflage 2012

Pferde in einem Alter von 1-5 Jahren sind prädisponiert. Faktoren, die die Infektion des einzelnen Tieres fördern oder erschweren können, sind aber auch der aktuelle Status des Immunsystems (z.B. andere Erkrankungen, aktuelle Impfungen). So können Pferde jeden Alters erkranken. Die meisten Pferde haben nach einer überstandenen Druseerkrankung einen Schutz gegen Druse für bis zu 5 Jahren. In der Regel erkranken Pferde nur einmal in ihrem Leben an Druse. Pferde, die bereits eine Druseinfektion überstanden haben, können jedoch auch erneut erkranken, zeigen dann aber meistens einen milderen Krankheitsverlauf. Dies bedeutet, dass ältere Tiere, die niemals Kontakt zu dem Erreger hatten, genau so anfällig sind wie junge Tiere. Ältere Tiere mit einer verbleibenden Immunität haben eine begrenzte Anfälligkeit und entwickeln eine milde Form der Druse, oft als „katarrhalische Druse“ bezeichnet (katarrhalisch bedeutet kein eitriges Sekret). Diese Pferde scheiden aber Erreger aus und können dadurch bei empfänglicheren, oft jüngeren Pferden zu schweren Druseerkrankungen führen. Ein junges Pferd, das noch nie Kontakt zu dem Erreger hatte und plötzlich mit hohen Dosen an Strep equi ssp. equi infiziert wird, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit an Druse erkranken. Faktoren die das Immunsystem schwächen, wie z.B. Stress, lange Transporte, starke körperliche Belastung, Verwurmung, andere Infektionserkrankungen, schlechte Fütterung und mangelnde Stallhygiene machen junge Pferde zusätzlich anfälliger.
In offenen Pferdebeständen (d.h. Bestände mit einer wechselnder Pferdepopulation und hoher Durchgangsrate z.B. durch Turnierbetrieb, Lehrgänge etc., Verkaufsställe) mit Pferden verschiedener Altersklassen bleibt durch eine gewisse Immunität bei einem Druseausbruch die Erkrankung meistens auf wenige Tiere beschränkt. In geschlossenen Betrieben (kein Turnierbetrieb, kein An- oder Verkauf von Pferden) entwickeln die Pferde in der Regel keine Immunität, da es nur selten zum Kontakt mit dem Erreger kommt. Dies hat zur Folge, dass meist viel mehr Tiere erkranken. Bestände mit einem hohen Anteil an jungen Pferden sind besonders gefährdet. So ist in geschlossenen Beständen zwar das Infektionsrisiko geringer durch einen eingeschränkten Pferdeverkehr, aber wenn es zu einer Infektion kommt, trifft diese hauptsächlich auf Tiere, die noch keinen Erregerkontakt hatten und dadurch sehr anfällig sind.

Klinik:
An Druse erkrankte Pferde scheiden schon Bakterien aus bevor klare klinische Symptome zu erheben sind. Schon ein bis zwei Tage nach Beginn des Fiebers kann eine Ausscheidung stattfinden. Diese kann bis zu 6 Wochen nach dem Abklingen klinischer Symptome andauern.
Die Inkubationszeit beschreibt die Zeit zwischen dem Eindringen eines Erregers in den Körper und dem Auftreten erster Symptome. Die Inkubationszeit wird in der Literatur unterschiedlich mit 3 - 8 Tagen, 4 - 8 Tagen, 3 - 14 Tagen angegeben, im Durchschnitt mit bis zu 8 Tagen. Eine Ausscheidung des Erregers erfolgt 1 - 3 Tage nach Auftreten von Fieber. Neue Fälle können somit isoliert werden bevor es zu einer Infektionsübertragung kommt. Die Ausscheidung des Erregers hält in der Regel 2-3 Wochen an, kann aber bis zu 6 Wochen nach Abklingen klinischer Symptome andauern. Bei Trägern hält die Ausscheidungszeit bis zu mehreren Jahren an.

Die Dauer der Erkrankung beträgt bei unbehandelten Pferden ca. 3 Wochen. Erste Krankheitserscheinungen treten auf in Form von Fressunlust (im Durchschnitt 1 - 2 Wochen, wenn keine Komplikationen auftreten), Apathie, Fieber bis zu 41°C. Fieber ist das erste klinische Symptom und bleibt 2 - 3 Wochen bestehen. Es entwickelt sich einseitiger oder beidseitiger mukopurulenter (schleimig-eitriger) Nasenausfluss (erst ca. 2 - 3 Tage nach Fieberbeginn). Der Nasenausfluss bleibt 2 - 4 Wochen bestehen. Es kommt zu einer Entzündung der Schleimhäute der oberen Atemwege. Dazu kommen Schläfrigkeit, Husten, Schluckbeschwerden, Atembeschwerden und Schwellung der Lymphknoten im Kopfbereich. Die Lymphknoten sind das Zielorgan der Drusebakterien und füllen sich als Reaktion auf den Kontakt mit dem Erreger mit Eiter und schwellen an. Nach ca. 7 - 10 Tagen kommt es in den meisten Fällen (>90%) zu einer Abszessbildung der regionären Lymphknoten. Zur Entlastung zeigen die Pferde oft eine gestreckte Kopf-Hals-Haltung. Je nach Ausprägung der Lymphknotenschwellung-/vereiterung kann es durch Einengung der oberen Atemwege zu deutlichen Atembeschwerden kommen. Nach einer gewissen Zeit (einige Tage bis Wochen) platzen die geschwollenen Lymphknoten (Lnn.) auf und der Eiter entleert sich. Bei der häufigsten Form abszedieren die retropharyngealen Lymphknoten (hinter dem Rachen gelegene Lnn.) in den Luftsack. Als Komplikation kann hier wie oben schon beschrieben die Luftsackvereiterung (Luftsackempyem) auftreten. Seltener abszedieren die mandibulären (am Unterkiefer gelegene Lnn.) nach außen. Dies nennt man die abszedierende Druse. Der Eiter und die über die Nase ausgeschiedenen Sekrete sind sehr stark erregerhaltig, so dass die Krankheit in diesem Stadium schnell auf andere Pferde übertragen wird. Nach dem Aufbrechen der Abszesse kommt es in der Regel zu einer deutlichen Besserung der klinischen Symptome und einem Absinken des Fiebers.

Abb.2: Abszedierung der mandibulären Lymphknoten. Zur Entlastung streckt das Pferd den Kopf nach vorne. Eigenes Bildmaterial

Abb.3: Eröffnung des unter Abb.2 beschriebenen Abszesses mit deutlichem Eiterabfluss. Eigenes Bildmaterial

Es sind aber auch Verläufe ohne ausgeprägte Lymphknotenabszesse möglich (nicht abszedierende, atypische Druse). Fälle, in denen es nur zu Nasenausfluss ohne Lymphknotenschwellung kommt und umgekehrt treten ebenfalls auf. Die Symptome können unterschiedlich schwer ausgeprägt sein, abhängig von der aufgenommenen Erregermenge und vom Immunstatus des Pferdes. Diese Form der Druse ähnelt vom Verlauf her einer Virusinfektion mit Fieber, Depression, Lymphknotenvergrößerung und Nasenausfluss und wird oft nicht als Druseerkrankung erkannt. Für die Diagnosestellung sind geeignete Proben notwendig, die mikrobilogisch untersucht werden müssen.
In sehr schweren Fällen können durch Abszessstreuungen bzw.- metastasierungen auch folgende Organe betroffen sein: Lunge, Leber, Nieren, Gehirn, Augen, Gelenke, Knochen. Bei dieser sogenannten metastatischen Druse (Bastarddruse) kommt es über das Blut und die Lymphbahnen zu einem Abwandern der Erreger auch in andere Organsysteme z.B. auch den Magen-Darm-Trakt oder den Brustkorb, was zu schweren Komplikationen, zum Teil mit Todesfolge, führen kann. Komplikationen treten bei ca. 28% aller Druseerkrankungen auf.
Als Folgeerkrankung kann es durch Immunkomplexreaktionen im Pferdekörper zu der sogenannten Blutfleckenkrankheit kommen mit Schwellungen an den Beinen und am Kopf sowie Herzkreislaufstörungen mit Todesfällen.

Diagnose:
Eine Bestätigung der Diagnose ist nicht immer einfach.  Verdächtig ist es, wenn eine ansteckende Atemwegserkrankung vorliegt mit sehr hohem Fieber, Abszessbildung im Kehlgangsbereich und schnelle Verbreitung zwischen Pferden, die in Kontakt stehen. Dies führt zu einer klinischen Verdachtsdiagnose. Aber nicht alle diese Fälle stellen sich als Druseerkrankung heraus, selbst wenn sämtliche Symptome hochgradig verdächtig sind. Druse kann mit einer viralen Atemwegserkrankung verwechselt werden. Eine Bestätigung der Erkrankung kann nur per Nasentupfer oder einer aseptisch entnommenen Tupferprobe eines aufgegangenen/eröffneten Abszesses im Labor erfolgen, d.h. über eine Erregerkultur. Die Nasentupferproben oder Spülproben aus den Nasengängen sollten 10 - 15 cm vom äußeren Nasenloch entfernt genommen werden. Als noch sicherer für den Erregernachweis gilt eine Spülprobe aus dem Rachen-Nasengang oder eine Luftsackspülprobe.

Als Ergänzung kann eine PCR (Polymerase Chain Reaction) durchgeführt werden. Damit ist es möglich spezifische genetische Strukturen (spezifische DNA-Fragmente) des Erregers nachzuweisen (direkter Erregernachweis). Mit dieser Methode wird die DNA sowohl von lebenden, sowie auch von bereits abgestorbenen Bakterien nachgewiesen, daher sollte die PCR mit dem kulturellen Nachweis kombiniert werden. Die PCR Untersuchungsmethode wird aber erst kürzlich von einigen Labors angeboten.

Durch eine Endoskopie ist es möglich Einsicht in die Luftsäcke zu nehmen und diese ggf. zu spülen oder auch Träger zu identifizieren.
Um Träger zu identifizieren, sind wiederholte Nasentupfer (3 x im Abstand von einer Woche) für den kulturellen Nachweis zu entnehmen. Diese können bei einigen Trägertieren negativ ausfallen. Die Aufdeckungsrate wird in der Literatur mit ca. 66 % der latent infizierten Träger beschrieben. Die Luftsackspülprobe wird auch hier wieder als der bessere Probenentnahmeort angesehen. Am besten ist wiederum der kombinierte Untersuchungsmethode mittels PCR und einem kulturellen Nachweis, die Nachweisquote von Trägertieren steigt dabei auf über 90 %. Auch bei der PCR wird eine wiederholte Beprobung dreimal im Abstand von ca. einer Woche empfohlen.

Behandlung:
Die Behandlung der Druse ist nach wie vor umstritten. Allgemein anerkannt ist die Position, dass eine antibiotische Behandlung meist nicht gerechtfertigt ist, wenn folgende Kriterien bestehen:

1. Das Tier ist klinisch nicht schwer erkrankt
2. die Atemwege sind nicht eingeengt
3. es ist bereits zur Abszessbildung gekommen (Abszesskapsel kann von dem Antibiotikum nicht ausreichend penetriert werden)

Definition antibiotisch: Das Wachstum von Mikroorganismen wird gehemmt oder diese werden abgetötet. Eine Antibiotikabehandlung kann bei einer Druseinfektion möglicherweise die Abszessstreuung und Abkapselung begünstigen bzw. eine Abszessreifung und gegebenenfalls –eröffnung verhindern. Ob in den abgekapselten Abszessen überhaupt eine therapeutisch wirksame Antibiotikakonzentration erreicht werden kann ist zudem zweifelhaft.
In der Praxis existieren verschiedene Vorgehensweisen und die Gabe von Antibiotika wird immer wieder kontrovers diskutiert.

Der Antibiotikaeinsatz wird meistens empfohlen wenn

1. das betroffene Tier eine deutliche Störung des Allgemeinbefindens zeigt (hohes Fieber, Appetitlosigkeit, Apathie, Atembeschwerden, Schluckbeschwerden)
2. labordiagnostische Anzeichen einer Sepsis vorliegen (Sepsis = systemische Entzündungsreaktion des Organismus auf eine Infektion mit Bakterien, deren Toxine oder Pilze, ggf. auch Parasiten, die Sepsis wird auch als „Blutvergiftung“ bezeichnet)
3. noch keine Zeichen einer Abszessbildung sichtbar sind oder es sich um eine nicht-abszedierende Druse handelt und die Lymphknoten nur geringgradig geschwollen sind

Andere Autoren (z.B. Universität München) empfehlen eine aggressive antibiotische Therapie mit Penicillin für 7 - 10 Tage im frühen Stadium der Infektion (Fieberphase, noch keine Abszedierung der Lymphknoten), um der Weiterverbreitung des Erregers entgegenzuwirken. Es ist dabei jedoch zu berücksichtigen, dass diese Tiere meist keine protektive (schützende) Immunität entwickeln und weiterhin sehr infektionsanfällig bleiben können.
Zusätzlich können zur Unterstützung NSAID’s eingesetzt werden = nicht steroidaler Entzündungshemmer (nicht auf Kortisonbasis wirkend). Diese wirken fiebersenkend, entzündungshemmend und schmerzlindernd.
Lokale Einreibungen mit hyperämisierenden (durchblutungsfördernden) Salben, Wärmeanwendung z.B. mit gekochten Kartoffeln/Sauerkraut oder Wärmebestrahlung mit Rotlicht sollen die Reifung von Lymphknotenabszessen beschleunigen.
Nach der Eröffnung sollten die Abszesshöhlen täglich mit einer Jodlösung gespült werden (s. Abb.2. und 3). Bei akuter Erstickungsgefahr durch die Lymphknotenschwellung ist in seltenen Fällen eine Tracheotomie (Einsatz eines Luftröhrenkatheters) erforderlich.

Im gesamten Krankheitsverlauf, in der Regel 2 - 3 Wochen, sollten auch aus hygienischen Gründen strikte Boxenruhe und Hygienemaßnahmen eingehalten werden. Erkrankte Tiere sollten in einem trockenen, warmen Stall untergebracht werden. Das Futter sollte ggf. eingeweicht werden um ein besseres Abschlucken zu gewährleisten, da der Schluckakt durch die verdickten Lymphknoten oft eingeschränkt und schmerzhaft ist. Wichtig ist ein schmackhaftes Futter von guter Qualität. Futter und Wasser müssen für die Pferde leicht erreichbar sein.
Bei Trägertieren mit infizierten Luftsäcken muss durch Luftsackspülungen die Luftsackvereiterung beseitigt werden. Luftsacksteine können je nach Größe entweder endoskopisch oder auch chirurgisch entfernt werden.


Management:
Die Druse ist in Deutschland weder anzeige- noch meldepflichtig. Es gibt deshalb keine Bekämpfungsvorgaben und auch keine Sperrung eines betroffenen Bestandes. Im Falle eines Ausbruches sollte jedoch jeglicher Pferdeverkehr in den Bestand hinein oder aus dem Bestand heraus abgestellt werden. Dadurch muss auch auf eine Teilnahme an Pferdeveranstaltungen verzichtet werden. Verdächtige Pferde sollten isoliert werden. Aufdeckung der Ursache, Stall- und Personenhygienemaßnahmen einschließlich Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen stehen mit an erster Stelle im Management eines Ausbruches.
Die Identifizierung der Träger ist absolut notwendig, um eine weitere Verbreitung zu unterbinden. Bei einem Druseausbruch in einem Bestand sollten zu Anfang detaillierte Vorberichte der Pferdebesitzer aufgenommen werden, um das ganze Ausmaß der Krankheitsproblematik einschätzen zu können. Dazu gehört auch sämtliche, bis zu dem Zeitpunkt, erkrankten Tiere zu identifizieren, die geographischen Gegebenheiten des Stalles zu erfassen, mögliche Risiken abzuschätzen und Möglichkeiten für eine Kontrolle zu erörtern. Dann sollte ein Managementplan erstellt werden, der folgende Punkte umfassen sollte:

1. sofortiger Stopp sämtlichen Pferdeverkehrs in den Bestand hinein oder aus dem Bestand heraus
2. infizierte Pferde sollten in deutlich markierten Bereichen isoliert werden, um den Bestand in „schmutzige“ und „saubere“ Areale zu trennen, je größer der Abstand zwischen kranken und gesunden Pferden ist desto besser
3. bei allen Pferden mindestens einmal täglich, besser zweimal täglich Temperatur messen, um Neuerkrankungen möglichst frühzeitig erkennen und isolieren zu können
4. mindestens 3 in wöchentlichen Abständen entnommene Tupfer sollten von den Pferden, die die Erkrankung bereits überstanden haben, entnommen werden und mittels einer Kultur und PCR untersucht werden. Die Pferde, bei denen alle 3 Tupfer negativ verlaufen, können wieder in die „sauberen“ Areale  zurückkehren
5. bei Pferden, die nach außen hin gesund erscheinen, die aber eine positive Kultur oder PCR aufweisen, sollte eine endoskopische Untersuchung der Luftsäcke und ggf. Behandlung der Luftsäcke erfolgen
6. das Personal sollte entsprechende Schutzkleidung bei der Versorgung der erkrankten Tiere tragen und sollte nicht gleichzeitig erkrankte und gesunde Tiere versorgen. Wenn das jedoch unvermeidbar ist, dann sollten die noch nicht erkrankten Tiere vor den erkrankten versorgt werden
7. Strikte Hygienemaßnahmen sind unumgänglich. Dazu gehören eigene Schutzkleidung und Gerätschaften für jeden Bereich, Desinfektionsmöglichkeiten für das Personal, und gründliche Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen für die Ställe.
8. Nach Entfernung sämtlichen organischen Materials von den Stalloberflächen, sollten diese mit einem entsprechenden flüssigen Desinfektionsmittel getränkt werden oder mit einem Dampfstrahler gereinigt werden. Diese Prozedur sollte wenn möglich sogar wiederholt werden. Dies gilt insbesondere für alle Futter- und Wassertröge, für Holzzäune und alle hölzernen Oberflächen. Nach gründlicher Reinigung und Desinfektion sollten Holzoberflächen mit einem Holzschutzmittel gestrichen werden.
9. der Pferdemist und ggf. nicht gefressenes Futter sollten in einem getrennten Bereich kompostiert werden, damit die Bakterien durch Hitzeeinwirkung abgetötet werden.
10. kontaminierte Pferdeweiden sollten für mindestens 4 Wochen nicht genutzt werden

Zusammenfassend kann man sagen: identify (Identifikation kranker Pferde), isolation (Isolation kranker Pferde), investigate (Untersuchung woher die Infektion gekommen ist).


Reinigung und Desinfektion:
Reinigung und Desinfektion sind zwei unterschiedliche Vorgänge.
Reinigung: Entfernung von Verschmutzungen
Desinfektion: chemische und physikalische Verfahren zur Abtötung von Mikroorganismen

Eine Desinfektion verhindert die Übertragung von Krankheitserregern durch Inaktivierung oder Abtötung. Die Auswahl des Desinfektionsmittels ist wichtig.  Ausschlaggebend bei der Wahl der Ausbringungsverfahren sind die Art und Eigenschaften der Wirkstoffe, die Einsatzbereiche und der Anwendungszweck. Verschiedene Faktoren wie Eiweißbelastung, pH-Wert, Temperatur, Materialbeschaffenheit und Feuchtigkeit können einen negativen Einfluss auf den Desinfektionserfolg haben. Diese können sich umso stärker auswirken, je niedriger die Konzentration der Desinfektionsmittellösung ist. Bei der Flächendesinfektion ist eine vorherige, gründliche Reinigung ausschlaggebend. Schmutz kann man nicht desinfizieren. Auch unter Hochdruck löst Wasser Fett- und Eiweißrückstände nur teilweise. Eine gründliche Reinigung ist somit Voraussetzung für eine erfolgreiche Desinfektion.
Zunächst erfolgt eine mechanische Vorreinigung. Daran schließt sich eine Nassreinigung mit heißem Wasser und Reinigungsgeräten an bis von sämtlichen Einrichtungs- und Gebrauchsgegenständen alle Schmutzreste entfernt wurden. Über diesen Abwasch- und Verdünnungseffekt können die Erreger bis zu tausendfach auf dem Träger vermindert werden. Erst danach kann ein Desinfektionsmittel in vollem Umfang wirksam werden.
Bei der Desinfektion unterscheidet man physikalische und chemische Mittel. Von den physikalischen Mitteln steht Wärme an erster Stelle. Bakterien und Pilze werden in der Mehrzahl der Arten schon ab 70°C über 30 Minuten und fast vollständig bei Kochtemperatur erfasst.
Bei der chemischen Desinfektion können verschiedene Faktoren einen Desinfektionserfolg mehr oder weniger negativ beeinflussen, auch wenn das Mittel ausreichend in Dosis und Zeit angewandt wird. So fällt z.B. schon unter 15°C die Wirksamkeit vieler Mittel zunehmend ab. Es muss länger desinfiziert werden oder mit höheren Konzentrationen behandelt werden. Zu beachten sind:

1. Materialbeschaffenheit: raue Oberflächen (z.B. Holz) sind schwieriger zu reinigen und desinfizieren
2. Feuchtigkeit: zu hohe Feuchtigkeit (z.B. wenn Oberflächen nicht richtig abgetrocknet sind) verringert die Desinfektionsmittelkonzentration oder neutralisiert das Desinfektionsmittel
3. Temperatur: durch niedrige Temperaturen wird die Wirksamkeit der meisten Desinfektionsmittel herabgesetzt
4. pH-Wert
5. Eiweißbelastung, Keimgehalt, Keimarten

Zur Desinfektion werden unter anderem quartäre Ammoniumverbindung (QAV) eingesetzt. Diese haben zwar eine geringe Toxizität und sind materialverträglich, haben jedoch einen Kältefehler (= bei niedrigen Temperaturen werden höhere Konzentrationen notwendig). Typische Empfehlungen geben ideale Temperaturen von 18-27 Grad an.
Und sie haben einen Eiweißfehler (= die Anwesenheit von Eiweißen vermindert die Wirksamkeit von chemischen Desinfektionsmitteln). Der Wirkstoff reagiert vornehmlich mit Proteinen (= Eiweißen) und denaturiert diese (denaturieren = etwas durch chemische Umwandlung so verändern, dass es seine ursprüngliche Qualität und wichtige Inhaltsstoffe verliert). Das Desinfektionsmittel bewirkt eine Koagulation der Eiweiße, wodurch darin eingeschlossene Krankheitserreger vor der Inaktivierung oder Abtötung geschützt sind, weshalb Krankheitserreger nach der Desinfektion noch immer auf dem zu desinfizierenden Material sind und eine Krankheit auslösen können.
Bei der Durchführung der Desinfektion ist eine Schutzausrüstung unumgänglich:
Undurchlässige Schutzkleidung oder Schürze mit Stiefeln, dichtschließende Schutzbrille oder Gesichtsschutz, undurchlässige Schutzhandschuhe

Fazit:
Druseausbrüche sind nicht nur gesundheitlich, sondern auch wirtschaftlich bedeutend. Wichtig ist ein wirkungsvolles Isolations- und Hygienemanagement und die Aufdeckung von latenten Trägertieren, um langfristig in einem Bestand weitere Ausbrüche zu verhindern.